Was kostet ein Pflegeplatz in Deutschland

Was kostet ein Pflegeplatz in Deutschland? Viele unterschätzen die monatlichen Kosten.

Tritt der Pflegefall ein, folgt oftmals das böse Erwachen. Denn viele Deutsche wissen nicht, was jetzt finanziell auf sie zukommt. Nicht nur, dass sie die Leistungen der Pflegeversicherung überschätzen. Sie unterschätzen auch, was sie selbst finanziell im Pflegefall leisten müssen. Das ging im Februar dieses Jahres aus einer repräsentativen Umfrage der Postbank gemeinsam mit dem Meinungsforscher Kantar Emnid hervor.

43 Prozent der Deutschen gingen in der Umfrage davon aus, dass sie für eine vollstationäre Pflege in einem Heim keinen Eigenanteil zahlen müssen. Die, die wussten, dass sie einen Teil der Kosten übernehmen müssen, unterschätzen die Kosten erheblich. 41 Prozent glaubten, weniger als 1000 Euro für einen Pflegeplatz in Deutschland zahlen zu müssen. Im Schnitt rechneten die Befragten mit 1400 Euro im Monat.

Das ist zu wenig. Wer für das Alter nicht entsprechend vorgesorgt und investiert hat, etwa mit einer Pflegeimmobilie, auf denen kommen im Pflegefall hohe Kosten zu. Monatlich rund 3000 Euro kostet im Durchschnitt ein Platz in einem Pflegeheim. Im Januar 2019 mussten Pflegebedürftige im Schnitt 1830 Euro zu zahlen, berichtete der „Spiegel“ unter Berufung auf eine Statistik des Verbands der Ersatzkassen (vdek). Im Januar 2018 waren 1772 Euro.

„Diese Zahlen werden sich in Zukunft deutlich nach oben entwickeln, wenn wir nicht eingreifen“, sagte Hamburgs Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Sozialverbände fordern seit langem die Deckelung des Eigenanteils. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nun eine Grundsatzdebatte über die künftige Finanzierung der Pflege führen.

System stößt an Grenzen

Das bisherige System stößt an seine Grenzen. Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen festgelegten Betrag als Zuschuss zu den Pflegekosten. 125 Euro sind es bei Pflegestufe 1, in der Pflegestufe 3 gibt es 1262 Euro und in der höchsten Pflegestufe 5 zahlt die Versicherung 2005 Euro. Diesen Zuschuss zahlt die Versicherung unabhängig vom Vermögensstand.

Doch diese Summen sind in jeder Pflegestufe zu wenig, um die tatsächlichen Kosten zu decken. „Was darüber hinausgeht, ist der sogenannte einrichtungseinheitliche Eigenanteil“, erklärt Verena Querling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im ZDF.

Das ist der "einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE)"

Im Bundesdurchschnitt lag der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) im vergangenen Jahr bei 602 Euro. Der Satz ist, anders als früher, innerhalb einer Einrichtung für die Pflegestufen 2 bis 5 gleich. Hintergrund ist, dass Menschen nicht schlechter gestellt werden müssen, wenn sie in einen höheren Pflegegrad wechseln.

Allerdings gilt der EEE nur für die jeweilige Einrichtung. Zwischen den verschiedenen Pflegeheimen und auch regional kann es zu erheblichen Unterschieden kommen. Der Grund: Über die Höhe der Pflegekosten und den Eigenanteil verhandeln die Pflegekassen mit jedem einzelnen Anbieter im jeweiligen Bundesland. Durchschnittlich am günstigsten ist es in Thüringen mit einem pflegebedingten Anteil von 237 Euro im Monat, am teuersten in Berlin mit 872 Euro. In Bayern liegt die Zuzahlung bei im Schnitt 760 Euro pro Monat.

Weitere pflegeunabhängige Kosten

Zu dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil kommen nun aber noch weitere Kosten. „Einen weiteren Teil machen die pflegeunabhängigen Kosten aus“, sagt Querling. Das sind zum einen die „Hotelkosten“, also die Kosten für Unterbringung, Essen, Zimmerreinigung und sonstigen Service. Aber auch Investitionskosten und je nach Heim und Bundesland auch eine Ausbildungsumlage müssen bezahlt werden. Gleiches gilt für Zusatzleistungen.

Auch all diese Kosten variieren erheblich von Einrichtung zu Einrichtung, was sich ebenfalls auf den Eigenanteil niederschlägt. Die Unterschiede sind enorm. Am höchsten liegt der Eigenanteil, also alle Kosten zusammengenommen, in Nordrhein-Westfalen. Hier sind im Durchschnitt 2163 Euro fällig. Am niedrigsten liegt er in Sachsen mit 1223 Euro. Die Kosten sind hier also nur etwa halb so hoch.

Im Mittefeld liegen Bayern und Hessen mit einem Eigenanteil von rund 1690 Euro. Viele Deutsche können sich den Eigenanteil nicht mehr leisten, ihre Rente ist hierfür schlichtweg zu niedrig und sie verfügen nicht über genügend Erspartes. Für sie müssen ihre Angehörigen einspringen. Sind auch diese finanziell überfordert, bezahlt die Sozialkasse.

Pflege wird teurer

Auch wenn derzeit politisch um die Zukunft der Pflege gerungen wird, ist doch eines sicher: Die Pflege wird teurer. Umso wichtiger ist es, für das Alter entsprechend vorzusorgen. Ein Wachstumsmarkt, der sich hier seit einiger Zeit besonderer Beliebtheit erfreut, ist der der Pflegeimmobilien.

Die Kapitalanlage erreicht Renditen zwischen vier und sechs Prozent, sie ist angesichts der demographischen Entwicklung eine sichere Geldanlage, und sie ist eine Anlage, die sich im Pflegefall gleich mehrfach auszahlt. Denn entweder zieht der Eigentümer bei Bedarf selbst in eine der Einrichtungen des Betreibers ein und spart so erheblich Kosten, oder er verwendet die Miete aus der Immobilie, um sich die Pflege anderswo zu finanzieren.

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